Die Gründung
Wie in vielen umliegenden Gemeinden war auch in Kirnbach der Wunsch nach einer eigenen Musikkapelle vorhanden. Der hiesige Militärverein, unter seinem Vorsitzenden Joh. Georg Lehmann, setzte alles daran, dies in die Tat umzusetzen. Der Geburtstag von Kaiser Wilhelm II. am 27.01.1905 wurde alljährlich mit einem Festakt gefeiert; aus diesem Anlaß führte der Militärverein einen musikalischen Aufmarsch durch. Durch die Initiative von Röcklebauer Christian Schondelmaier gründeten 14 Musiker einen unabhängigen Verein. Die erste große Hürde, die genommen werden musste, war die Beschaffung von Instrumenten.
seite11Die Musiker gingen im Tal von Haus zu Haus und baten um Unterstützung. Auch die Gemeinde stellte einen größeren Betrag zur Verfügung. In kurzer Zeit konnten so 835 Mark zusammen getragen werden. Es wurde mit der Probenarbeit begonnen. Der erste Auftritt erfolgte am 09.10.1905 zum Geburtstag des Großherzogs von Baden. Den Vorsitz übernahm Bäckermeister Johann Georg Hildbrand, als Dirigent konnte der Gutacher Johannes Moser gewonnen werden. Im Jahre 1913 übernahm der gebürtige Kirnbacher Georg Breithaupt aus St. Georgen das Dirigentenamt. Mit ihm begann der eigentliche Aufschwung. 1923 nahm man beim Verbandsmusikfest in Aichhalden teil. Die An- und Abfahrt erfolgte auf einem Leiterwagen. Der erste große Ausflug erfolgte 1925 anläßlich des Trachtenfestes in Stuttgart. Die Musiker, allesamt in Tracht, wurden durch eine Trachtengruppe begleitet. Mit dem Zug ging es nach Stuttgart. Wie dem Protokoll zu entnehmen ist, erhielt jeder Musiker 15 Mark als Entlohnung (1 Bier kostete damals 30 Pf), sowie freie Unterkunft und eine warme Mahlzeit.


Am Sonntag wurde eine Stadtrundfahrt in zwei Automobilen durchgeführt. Für alle Beteiligten ein beeindruckendes Erlebnis.
seite12 1Nachweislich seit 1926, wahrscheinlich aber seit Anbeginn, führt der Musikverein jedes Jahr seine allseits beliebte „Maimusik“ durch. Im Laufe der Zeit veränderten sich die einzelnen Routen und Stationen kaum. Wurde anfänglich noch um 5.00 Uhr begonnen, so wird seit Einführung der Sommerzeit ab 7.00 Uhr aufgespielt. In all den Jahren wurden die Musiker immer bestens mit Speis und Trank versorgt. Ebenso erfuhr der Verein von der Talbevölkerung großzügige finanzielle Unterstützung.

Da die Anschaffung einer Uniform aus finanziellen Gründen noch nicht in Frage kam, wurden 1926einheitliche Mützen gekauft. Die erste Uniform folgte nach dem 25-jährigen Jubiläum. 1930 Das 25-jährige Jubiläum
25 Kapellen aus dem Kinzigtal-Gauverband nahmen an einer Sternwanderung auf das Moosenmättle teil. Bei der Anmeldung mussten die Teilnehmer mitteilen, wie die Anreise erfolgen sollte, wobei fast alle Kapellen zu Fuß auf das Moosenmättle kamen.seite12 3
Im Sommer 1936 verstarb unerwartet der langjährige Dirigent Georg Breithaupt. Mit dem Postbeamten Emil Henn konnte aber sehr schnell ein Nachfolger gefunden werden. Der zweite Weltkrieg unterbrach jegliche musikalische Tätigkeit.
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1946 Der Neubeginn
Die Freude an der Musik und die gute Kameradschaft waren der Anlass zu einem schnellen Neubeginn. Der Vorsitzende Jakob Wöhrle, erreichte bei der Besatzungsmacht eine entsprechende Erlaubnis, dass mit den Probenarbeiten zügig begonnen werden konnte. Dies ist auch unserem Ehrenmitglied Karl Sum zu verdanken. Er hat viele Instrumente und das gesamte Notenmaterial vor der Besatzungsmacht auf der Kirchenbühne in Sicherheit gebracht. Unter der Stabführung des 2. Dirigenten Johann Georg Lehmann wurde mit den Musikproben begonnen. Nach der Rücckehr aus der Kriegsgefangenschaft übernahm Herr Emil Henn wieder das Dirigentenamt. 1948 erfolgte im Gasthaus Krone das erste Konzert; 1949 das erste Wertungsspiel in Oppenau. Für die Anfahrt nach Oppenau wurde erstmals ein Omnibus angemietet. Im Frühjahr 1950 konnte Herr Engelbert Belli aus Wolfach als Kapellmeister gewonnen werden. Er brachte von Anfang an neue Impulse in den Verein ein, die zu einer erfolgreichen Weiterentwicklung führten.
seite13Das 50-jährige Jubiläum
Ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte, aber auch unvergesslich bei der älteren Talbebevölkerung, war das Jubiläum zum 50-jährigen Bestehen vom 11.–13. Juni 1955.
Auf der Festwiese am Kinzigvorland wurde ein Zelt für 2800 Personen aufgebaut. Sieben Gründungsmitglieder konnten am Festbankett teilnehmen, wobei Röcklebauer Christian Schondelmaier vom Verbandspräsidenten für seine 50-jährige aktive Mitgliedschaft ausgezeichnet wurde. Bürgermeister Staiger würdigte die Leistungen der Musikkapelle und überreichte als Dank einen großen Kaiserbass. Dieses wirklich imposante Instrument kann heute immer noch gespielt werden


Das 75-jährige Jubiläum rückte immer näher, aus diesem Anlass wurde beim Jahreskonzert 1979 die neue Uniform vorgestellt. Es wurden Bilder in Tracht und Uniform angefertigt.seite16 1seite16 2

 

 

 

 

 

 

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 75-jähriges Jubiläum sowie Verbandsmusikfest vom 04.- 07. Juli 1980
Durch die starken Regenfälle der vergangenen Tage gestaltete sich der Zeltaufbau auf dem Kinzigvorland recht schwierig. Dennoch konnte das Fest bei schönem, sonnigem Wetter gefeiert werden. Das Festbankett fand unter der seite17 1musikalischen Mitwirkung der Stadtkapelle Wolfach, der Trachtenkapelle Kinzigtal und dem Musikverein aus Ulmen statt. Doch der Höhepunkt des Abends war der gemeinsame Auftritt der Kurrende, des Männergesangvereins und des Kirchenchors, die zusammen mit der Trachtenkapelle den Freiheitschor von Verdi vortrugen. Doch auch bei diesem Jubiläum war der eigentliche Höhepunkt der Festumzug am Sonntagmittag. Bei herrlichem Wetter konnten die 35 Gruppen, Musikkapellen, Trachtenvereine und Festwagen durchs Tal ziehen. Mehrere tausend Festbesucher erfreuten sich an dem farbenprächtigen Spektakel.

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Der eigentliche Höhepunkt des Jubiläums war zweifelsfrei der Massenchor, der nach dem Festumzug stattfand. Mehr als 800 Musiker nahmen daran teil. Unser aktives Ehrenmitglied, Hans Epting, schwärmt heute noch von der einzigartigen Atmosphäre, die durch den Massenchor aufkam. Das Interesse der Jugendlichen für den Musikverein nahm immer mehr zu. 1956 entschloss man sich, eine Jugendkapelle zu gründen. Ehrenmitglied Karl Wöhrle übernahm die Ausbildung.
seite14Unter der erfolgreichen musikalischen Leitung von Engelbert Belli (1950-1966) nahm der Musikverein an vielen Wertungsspielen teil. Im Zuge der steigenden Mobilität folgten aber auch die ersten musikalischen Ausflüge ins benachbarte Ausland, so 1958 nach Meiringen in der Schweiz. 1960konnte mit erheblicher finanzieller Unterstützung der Gemeinde Kirnbach eine neue Uniform angeschafft werden.

Das 60-jährige Jubiläum wurde im kleineren Rahmen vom 7. – 9. August 1965 gefeiert. Anläßlich des Jubiläums verfasste der damalige Ortspfarrer Eric Turnwald ein Gedicht, welches heute, beim 100jährigen Jubiläum seine wahre Erfüllung findet.
„Fanget an! Dies ist seit  alten Zeiten das Wort, mit dem ein jedes Fest beginnt. So wollen wir auch heute uns bereiten, auf jenen Tag, da hier vor sechzig Jahren wohl vierzehn Männer, Kirnbach wohlgesinnt an einem Abend froh beisammen waren,
und gründeten, zum Lobe der Musik einen Verein im Dienste der Gemeinde. So blicken stolz und gern wir heute zurück und denken jener, die die ersten waren; und danken ihnen. Darum, meine Freunde seid heute uns gegrüßt nach sechzig Jahren, und laßt uns hoffen, daß beim Musizieren in Zukunft weiter wir zusammenstehen und dem Verein zu steter Blüte führen, daß man in vierzig  Jahren sagen kann, wenn wir zurück auf hundert Jahre sehen wie eh und je:  Ihr Freunde: Fanget an!“

seite15Im Jahre 1966 übernahm Karl Wöhrle von Engelbert Belli den Dirigentenstab, den dieser aus gesundheitlichen Gründen abgeben musste. Herr Belli wurde gleichzeitig zum Ehrendirigenten ernannt. In der Generalversammlung 1972 wurde der Beschluss gefasst, den Musikverein in Tracht einzukleiden. Damit ging ein lang gehegter Wunsch vieler Musiker in Erfüllung. Bereits an Ostern des gleichen Jahres konnte die Kapelle in Tracht auftreten. Bis heute werden die meisten Auftritte in Tracht durchgeführt, besonders unsere Musikerinnen sind ein beliebtes Fotomotiv.

1974 übernahm Hans Schneider den Dirigentenstab. Karl Wöhrle widmete sich fortan und mit großem Einsatz der Jugendausbildung. In der Kirche wurde die Rundfunksendung des SWF „Aus Stadt und Land“ aufgezeichnet. Die Tracht wurde immer mehr als Werbeträger genutzt. So folgte eine kleine Abordnung der Einladung des Fremdenverkehrsverbandes Schwarzwald zur Teilnahme an einer Werbeveranstaltung in Berlin. Da immer mehr Kurgäste in Kirnbach verweilten, wurden ab 1974 Promenadenkonzerte vor den einzelnen Gasthäusern abgehalten. Diese Konzerte waren nicht nur bei den Feriengästen sehr beliebt, auch die Musiker nutzten die Gelegenheit zur anschließenden Einkehr. 1975feierte die ganze Talbevölkerung unter Mitwirkung des Musikvereins das 700-jährige Bestehen der Gemeinde. Während dieses Jubiläums wurde im Rahmen eines Heimatabends die neu erbaute Gemeindehalle eingeweiht. Dadurch hatte das alte, inzwischen recht beengte Probelokal im Rathaus ausgedient. Es konnte in der neuen Gemeindehalle ein größerer Übungsraum bezogen werden. Vor allem die Zentralheizung führte zu einem gewissen Probenkomfort. Im Laufe der Jahre kam der angrenzende Vorraum hinzu, welcher seither als Noten- und Instrumentenlager genutzt wird.


1983 nahm die Kapelle nach längerer Pause am Wertungsspiel in Wolfach teil und konnte in der Mittelstufe einen 1. Rang mit Auszeichnung erreichen. Es folgten verschiedene Auftritte, so wurde im Mai 1983 ein gemeinsamer Heimatabend der Gemeinden Gutach, Reichenbach und Kirnbach veranstaltet. Mit diesem außergewöhnlichen Auftritt sollte gegen die immer größer werdende Vermarktung des Bollenhutes demonstriert werden. Da der SWF ausführlich darüber berichtete, war dieser Abend sicherlich ein Erfolg. Es folgte die Teilnahme am 900-jährigen Stadtjubiläum der Stadt Wolfach. In Zusammenarbeit mit anderen Kirnbacher Vereinen wurde ein Zelt bewirtschaftet. Nach zehn Jahren fand 1984 wieder ein Dirigentenwechsel statt. Hans Schneider, der seit 1982 auch die Trachtenkapelle in Gutach leitete, wollte aus beruflichen Gründen etwas kürzer treten. Umso erfreulicher war es, dass sich Stadtkapellmeister Dieter Küstler sofort bereit erklärte, die Trachtenkapelle zu übernehmen. Da die Stadtkapelle Wolfach ihre Musikproben ebenfalls am Freitag abhielt, musste ein anderer Probentag gefunden werden. Nach kurzem Gespräch mit der Kurrende, welche donnerstags übten, war auch hier eine Lösung gefunden; es wurde getauscht. Seither heißt es für die Musiker: „Donnerstag ist Probentag!“
seite18Der 80. Geburtstag wurde auf dem Moosenmättle gefeiert.
Seit vielen Jahren veranstalteten einige Kirnbacher Vereine ihr Sommerfest auf dem idyllisch gelegenen Moosenmättle. Bei sommerlichen Temperaturen konnte man sich hier, unter den hohen Tannen mitten im Wald, ein romantisches Plätzchen zum Verweilen suchen. Dabei war es herrlich, der Musik zu lauschen oder sich bei Essen und Trinken zu stärken. Leider konnte es auf dem 850 m ü.M. gelegenen Festplatz bei Regen, Wind oder Nebel genauso ungemütlich, stürmisch und kalt sein. Dies mussten auch unsere Musikfreunde aus Ulmen feststellen, die extra für dieses Festwochenende angereist waren.
In der Generalversammlung am 25.01.1986 wurde der Eintrag der Trachtenkapelle in das Vereinsregister beschlossen. Im Jahr 1987, nach 31 Jahren, verabschiedete sich Karl Wöhrle als Jugendleiter mit einem Jugendkonzert. Die genaue Anzahl der von ihm ausgebildeten Jugendlichen kann heute leider nicht mehr festgestellt werden; doch ist zu bemerken, dass heute von 51 aktiven Musikern in der Gesamtkapelle mehr als die Hälfte das Musizieren bei ihm erlernt haben. Für dieses Engagement im Verein wurde er 1988zum Ehrenmitglied ernannt. Bei der Generalversammlung 1989wurde auf Vorschlag des Vorstandsvorsitzenden Hans Eßlinger das Amt des Geschäftsführers geschaffen. Damit erfolgte eine Aufgabenverteilung und gleichzeitig eine Entlastung für den Vorsitzenden. Das neu geschaffene Amt übernahm Günter Wöhrle. Im Januar 1991ging die Ära von Hans Eßlinger zu Ende. Auf eigenen Wunsch wollte er sich nach 18 Jahren nicht mehr zur Wiederwahl stellen. In Würdigung seiner Verdienste ernannte ihn der Musikverein zum Ehrenvorsitzenden. Zum Nachfolger wurde Hans-Jürgen Wöhrle gewählt.

Im Sommer 1991verließ Dieter Küstler aus beruflichen Gründen die Stadtkapelle Wolfach und daraus folgend auch die Trachtenkapelle Kirnbach. In den sieben Jahren seines Wirkens prägte er die Kapelle ganz entscheidend mit. Seineseite19 individuelle Persönlichkeit und seine einzigartige Begabung, musikalisches Wissen weiterzugeben, haben die Musiker in ihrer musikalischen Entwicklung weit vorangebracht. Es war nicht einfach, einen geeigneten Nachfolger zu finden.
Erfreulicherweise hat sich Stephan Alletsee, Nachfolger von Dieter Küstler bei der Stadtkapelle, bereiterklärt, auch in Kirnbach das Dirigentenamt zu übernehmen. Da Stephan Alletsee bei der Stadtkapelle terminlich stark beansprucht war, übernahm unser Vizedirigent Reiner Springmann viele musikalische Auftritte, so auch im Sommer 1991 beim Stadtfest in Kreuzlingen (Schweiz). Zusammen mit mehreren Vereinen der Stadt Wolfach nahm der Musikverein an den Feierlichkeiten zur „700 Jahre Eidgenossenschaft“ teil.

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